Donnerstag, 6. September 2007

Perspektivenkämpfe

Mein heutiges Pensum war schwer umkämpft.
Es geht um eine Szene, die ich jetzt schon seit drei Tagen unschlüssig beschnuppere - und nicht so recht an sie rankomme. Dabei ist sie (glaub ich zumindest bis jetzt) wichtig.
Die Polizei nimmt meine Charlie endlich ernst. Es könnte was an der Entführungstheorie dran sein, auf der sie beharrt. Neue Beweise bringen endlich Bewegung in die Beamtentruppe.
Dann aber kommt laut meinem Konzept die (erfolglose) Hausdurchsuchung.
Da nehmen sie aber Charlie natürlich nicht mit! (Machen die angeblich nicht so gern, dass sie Minderjährige an den Ort eines möglichen Verbrechens in Gefahr bringen, hab ich mir sagen lassen ....)
Was mich jetzt vor ein Problem stellt:
Woher kann sie wissen, was sich dort abgespielt hat, wenn sie nicht dabei sein darf? Und wie sag ichs dem Leser?
Perspektivwechsel? Eine Szene aus der Sicht der amtshandelnden Beamten? Ist das nicht billig und noch dazu verpönt?
Ich hab eine Hauptperson (Charlie) und zwei weitere, genauso wichtige Mädels, aus deren Sicht ich wechselnd erzähle. Und eine Stimme aus dem Off. Und noch vier sehr wichtige Haupt-Nebenfiguren, die aber keine eigene Erzählperspektive haben. Das sollte genug sein. Jetzt auch noch (einmalig?) eine vierte Perspektive einzuführen, widerstrebt mir. Ich könnte natürlich auch aus dem einen Bullen eine neue Bezugsperson machen. Eingeführt hätte er sich schon einmal ziemlich wichtig :-) Aber ist das dann nicht zu verwirrend?
Ich glaub, darüber muss ich noch eine Nacht schlafen - und vielleicht dann die ganze Szene wieder raushauen, an der ich mich heute stundenlang in Presswehen gewunden habe :-/

Kommentare:

Alice hat gesagt…

Ist es denn wichtig, was sich dort abspielt? Oder reicht es zu wissen, dass die Polizei nichts findet?

Wenn das reicht: Da genügt doch eine Aussage eines Polizisten gegenüber Charlie (grossartiger Name, übrigens), dass ihre Theorien zu abenteuerlich sind // dass man die Sache leider nicht weiterverfolgen könne.

Das mit den Perspektiven ist wirklich ein Elend ...

Alice

teamor hat gesagt…

Liebe Alice,

daran hatte ich auch schon gedacht. Ich hab nur in meinem Konzept genau in diese Hausdurchsuchungsszene einen versteckten Samen gelegt - oder besser: eine Leser-Irreführung ;-))
Die fällt natürlich durch den Rost, wenn ich sie nicht ausführen kann... Andererseits greift die auch nur, wenn Charlie den Mann selbst reden hört und daraus ihre Schlüsse zieht (und mit ihr dann der folgsame Leser....). Wenn sie also nicht dabei ist, funktioniert das alles nicht so, wie ich mir das gedacht hatte :-(
Mals sehen, ob ich das wirklich so dringend brauch, wie ich es mir monentan gerade einbilde...
Danke auf jeden Fall für deine Anteilnahme (und für das Lob!)

Herzliche Grüße
Gabi

Anonym hat gesagt…

Und wenn sich Charlie mit reinschleicht? Oder ist sie vielleicht ein Technik-Freak und "verwanzt" heimlich den Polizisten? Wenn du jetzt nur 600 Zeichen für die Lösung zur Verfügung hättest würde ich ja vorschlagen, Charlie verwandelt sich in eine Maus und schlüpft dem Polivemän in die Westentasche.

Ach, man verfällt auf so billige Tricks, wenn man für's Massenplotten bezahlt wird...

Grinsende Grüße

Ruth

Anonym hat gesagt…

Policemän hätte es werden sollen. Übrigens. Sorry...

Alice hat gesagt…

Ich finde Ruths Idee gar nicht so schlecht. Kann sich Charlie nicht ins Haus schleichen? Da hättest du dann gleich auch noch eine paar wunderbare Herzklopfszenen.

- beim Einschleichen
- beim Beinaheerwischtwerden durch die Polizei
- beim Beinahezusammenprall mit dem mysteriösen Man

Uarrrgghhhh, das ist ja schon beim Niederschreiben der Vorschläge nervenaufreibend spannend :-)))

Alice

teamor hat gesagt…

Ihr Lieben!

Vielen Dank für eure aktive Mithilfe. Charlie ist zwar nicht so ein Technikgenie (eher im Gegenteil...), aber ihr Freund, der kann das - und (unter der Hand, Flüstermodus an - er tuts auch, allerdings später...)
Dieser Trick ist also schon gebucht und reserviert :-)
Aber dass Charlie heimlich hinterher schleicht, passt perfekt zu ihr!
Ich hatte ganz kurz daran gedacht, es aber dann wieder ad acta gelegt. Warum eigentlich?? Ich finde das eigentlich super! Danke, Alice und Ruth, für eure perfekte Unterstützung!
Heute Abend wird sie Herzklopfen haben, das schwör ich euch!!

Herzlichen Dank!
Gabi