Freitag, 3. September 2010

Ausverkauf

Heute Abend hatte ich ein sehr tiefgehendes Gespräch.
Dabei ist mir klar geworden, dass meine selbstauferlegte Disziplin ein reines Ablenkungsmanöver ist. Nicht meine Protas tanzen mir auf der Nase herum, sondern ich versuche mich hinter ihnen zu verkriechen. Diese tropfende Abfolge von Stunden um Stunden, die angeblich mein Leben sein soll, wird nicht von mir selbst bestimmt, sondern von einem Bündel an unaufgearbeitetem Irrsinn, das immer dichter aufschließt, je enger ich mich an die Wand drücken lasse.
Mit dem Rücken zur Wand schreibt es sich nicht gut. Nein, nicht einmal an Denken ist zu denken. Die Luft ist knapp. Kein Wunder - bei so vielen Schlingen um den Hals. Es wird Zeit, das Atmen wieder zu lernen. Und nach Hause zu kommen. Wo auch immer es sich versteckt hält ...
Mein Rucksack ist zu schwer. Nichts als Ballast. Wer hat mir das alles zugesteckt? Oder war ich selbst der Messi? Auf den Flohmarkt damit! Dann klappt's vielleicht auch wieder mit dem Leben.

Kommentare:

Alice Gabathuler hat gesagt…

Du WIRST nach Hause kommen. Glaub ganz fest daran. Auch wenn es im Moment vielleicht nicht so aussieht.

Die Flucht hinter die Figuren ist nicht die schlechteste. Manchmal brauchen wir dringend Fluchtpunkte, weil das Leben sonst nicht auszuhalten ist. Wenn es die Figuren sind: Umarme sie und halte dich an ihnen fest. Lass deine Texte den Freiraum jenseits des Irrsinns sein.

Alice

Jutta Wilke hat gesagt…

Nein, liebe Gabi, mit dem Rücken zur Wand schreibt es sich nicht gut. Aber weißt du, du stehst nicht wirklich vor einer Wand, sondern hinter dir stehen ein paar sehr gute Freunde, Menschen, die an dich denken und dich sanft schieben. Wandern musst du allein und wenn der Ballast zu groß ist, musst du vielleicht tatsächlich einen Teil davon zurücklassen auf deinem Weg.
Vielleicht ein Rat noch: Wenn der Berg grad so steil ist, dann schau nicht dauernd nach oben. Das führt nur dazu, dass man denkt "Da komm ich nie hin."
Schau nur immer auf den nächsten Schritt. Frag dich, wohin muss ich mit dem nächsten Schritt treten, um gut und sicher zu stehen. Dieser eine nächste Schritt muss reichen, bis du genügend Stand hast, um wieder über den nächsten Schritt nachzudenken. Und so wirst du vielleicht langsamer als dir lieb ist, aber sicher nach oben kommen.

Ich drück dich!
Jutta