Freitag, 19. Dezember 2008

Rohe Eier

Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art hat mir heute der Anruf meiner Lektorin beschert. In unserem letzten Gespräch habe ich in zwanglosem Plauderton von meiner Liebe zur Fantasy und den daraus resultierenden Schubladen-Kindern gesprochen. Bei der internen Themenplanung für das Programm 2010 hat sie nun auch für den Jugend-Fantasy-Sektor meinen Namen ins Spiel gebracht! Demzufolge möge ich doch möglichst rasch einmal herzeigen, was ich diesbezüglich so verbrochen habe ... Und ob sie wohl über die Feiertage eine erste Lektüre von mir bekommen könnte?
Mein Herzschlag ist daraufhin kaum unter Kontrolle zu bringen.
Olivia und Livtrasi, Teamor, Lea und Tobias reiben sich den Schlaf aus den Augen und schauen mindestens so dämlich aus der Wäsche wie ich. Mit so einem Wirbelwind hat der Staub, der sich schon sanft auf die Dateien gelegt hatte, am wenigsten gerechnet!

Der Begeisterung folgt aber gleich darauf die heiße Panik auf dem Fuße.
Genaugenommen hat noch niemand aus meinem Testleser-Team die Texte zu Gesicht bekommen - außer den ersten Mondaman-Teil (und dieser Ausflug in die raue Wirklichkeit endete recht desaströs, wenn ich mein verdrängtes Wissen widerstrebend herauskrame ...)
Kann ich solche rohen Eier überhaupt ruhigen Gewissens aus der Hand geben?
Normalerweise ist das ein absolutes "No-no!" Auf jeder Autoren-Plattform klipp und klar nachzulesen. Unfertige Texte gibt man nicht aus der Hand.
Uff. Aber ... Bei mir läuft nie was normal. Muss an mir liegen ;-)
Also breche ich auch diese Regel.
Im Begleitbrief weise ich ausdrücklich darauf hin, dass mir der halbgare Zustand der Texte durchaus bewusst ist. Dass erwiesenermaßen noch eine Menge Arbeit auf mich wartet. Und dass es mir in diesem Fall darum geht, eine prinzipielle Einschätzung zu erhalten, ob es sich überhaupt lohnt, in die Geschichten Zeit und Energie zu investieren.

Und freu mich und hab Angst und freu mich und hab Angst und freu mich ... So. Wahnsinn. Was für ein Jahr ...

Kommentare:

Ursula hat gesagt…

Wow! Das sind ja Nachrichten so knapp vor dem Christkind!
Ich drück dir die Daumen!!!

Alles Liebe
Ursula

Anonym hat gesagt…

Und ich möchte betonen, dass das Desaster durchaus überschaubar ist! (Und von einer Lektorin erwarte ich, dass sie das auf einen Blick erkennt...)

Also hab mal nicht so viel Angst, sondern freu dich mehr. :)

Ruth

Jan hat gesagt…

Dann putz mal den guten Mondaman ordentlich fein raus!
Dicken Glückwunsch, Gabi!

Jan

teamor hat gesagt…

Ihr Liében, ich freu mich in Wirklichkeit sowieso unvergleichlich viel mehr, als ich mich fürchte. Denn 1. freue ich mich prinzipiell über diese unverhoffte Gelegenheit, die Texte erstmals NICHT als unverlangt eingesendete "Ich-lande-auf-einem-von-Manuskripten-überfüllten-Praktikantenschreibtisch"-Datei irgendwo hin auf die Reise zu schicken und 2. WEISS ich ja. dass die Texte noch nicht druckreif sind. Die zu erwartenden Kritik trifft mich also nicht in den Magen. Klar wäre es wahnsinnig toll, wenn der Verlag findet, dass so viel Potential drin steckt, dass ich mich schleunigst ans Aufpolieren machen soll. Aber wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter.
Ich liebe Mondi und ebenso Olivias Geschichte. Aber wenn sie noch länger liegen, bis ich als Autorin für sie "reif" geworden bin, soll es auch gut sein.
Insofern überweigt die Freude bei Weitem. Und die mögliche Aussicht auf ein Happy-End macht das Drücken in der Magengegend zu einer aufregenden Fahrt auf der Hochschaubahn.
In freudiger Aufregeung
Gabi

Petra hat gesagt…

Liebe Gabi,
du machst das schon richtig: Gelegenheit beim Schopfe packen, man hat ja nichts zu verlieren. Und gute Lektoren erkennen Potential auch in verstaubten Texten. Ist ja keine übliche Bewerbung.
Ich hab auch gerade einen Vertrag ohne Probetext bekommen, ich habe zwei Texte aus einem tief in der Schublade versteckten Projekt vorgelesen...
Vielleicht ist's ein Jahr der Schubladen?

Ich wünsch dir viel blubbernde Freude über das Geschaffte und noch zu Schaffende ubd schöne Feiertage und einen Guten Rutsch in ein spannendes Neues Jahr!
Liebe Grüße,
Petra