Mittwoch, 16. Juni 2010

Rauschen im Leerlauf

Heute regnet es.
Das gleichmäßige Geräusch hat normalerweise was Beruhigendes. Nicht aber, wenn es alles andere übertönt, das eigentlich gehört werden sollte. Mein inwendiger Geräuschpegel hat Ähnlichkeiten mit diesen Vuvuzelas, die einen auf Schritt und Tritt zudröhnen. Aus offenen Fenstern, Gaststätten, Autoradios. Das Hornissengesummse ist aber nichts gegen das Rauschen, das meinen Kopf ausfüllt. Kein klarer Gedanke kann sich durch den klebrigen Klangteppich einen Weg bahnen. Müde! Müde! jammert es mir entgegen, sobald die Traumklumpen bröckeln und der neue Tag sein Recht einfordert. Und wieder zerbricht der erste schwere Lidschlag die Hoffnung, dass ich diesmal vielleicht ausgeschlafen und mit neuer Kraft gefüllt sein könnte.

Bis Ende Juni sollte ich meinen Roman überarbeiten. Es ist nicht viel, was zu tun ist. Aber ich krieg den Gang nicht ins Getriebe. Schon die Hand zum Schaltknüppel zu führen, erscheint mir wie die Besteigung eines Zehntausenders. Morgen. Morgen. vertröstet mich die stimmlose Hoffnung aus engem Hals. Aber morgen ist wie heute.
Und heute regnet es.

Dienstag, 8. Juni 2010

Korrekturen als Kuschelkonkurrenz

In einer absoluten Rekordzeit kamen der Lektoratsbrief und daran angeschlossene Korrekturwünsche aus dem Verlag zurück. In vorbildlicher Sandwich-Konstellation.
Als Unterlage wohltuendes Lob. Bestrichen mit einigen kritischen Anmerkungen (Liebevoll. Verpackt. Aber eindeutig). Abgedeckt mit einem aufmunternden "Hopp auf!"
Wunderhübsch verpackt mit Freundlichkeiten wie "Tolles Projekt!" und "Da steckt Zündstoff drin." - Was aber auch sofort suggeriert, dass es daran doch noch einiges zu zündeln gibt.
Die Botschaft ist angekommen!
Da wird jetzt also die nächsten Tage weniger mit neuen Ideen gekuschelt, als an den alten gefeilt.
Und der Wunsch nach Zeitmanipulation bekommt neue Nahrung.
Welch grausames Schicksal, das Ungeduld mit Sekundenzeigern paart ...

Dienstag, 1. Juni 2010

Auf die Reise geschickt

Auch beim vierten Mal ist das Kribbeln im Bauch nicht kleiner, in dem Moment, in dem ich auf den Senden-Knopf drücke und meine Lieben auf die Reise schicke.
Trotz aller Widrigkeiten habe ich es geschafft, pünktlich zum Termin fertig zu sein. Um ehrlich zu sein verdanke ich das ja weniger meinem eigenen Durchhaltevermögen, als der hervorragenden Arbeitsmoral meiner genialen Protagonisten - doch das wissen nur sie und ich ... und die regelmäßigen Besucher meines Blogs ;-))
Dann halte ich jetzt die Luft an, bis die erste Reaktion eintrudelt - und lasse mich in der Zwischenzeit von Versicherungskram, Krankenhausbesuchen und diversen Brotjob-Endproduktionen in Beschlag nehmen (wer hat den Spruch erfunden, dass man immer so viel aufgebrummt kriegt, wie man gerade noch tragen kann? Ich hasse ihn! Das musste hier jetzt mal an dieser Stelle ganz deutlich gesagt sein!)

Viel spannender finde ich, dass mich heute Abend eine neue Romanidee heimgesucht hat. Mit der geh ich jetzt kuscheln.

Manchmal beneide ich mich selbst um diese aufgeregte Zufriedenheit, die mich während des Weges von der Idee bis zum Versenden des fertigen Manuskripts immer wieder überfällt.

Freitag, 28. Mai 2010

Grenzenlos nah

Endlich darf ich herzeigen, worauf ich mich schon so lange freue!
Im Online-Katalog von Thienemann ist meine Dreiecksgeschichte, die mich letztes Jahr so sehr in Atem gehalten hat, zum ersten Mal öffentlich sichtbar gemacht worden.
Und ich liebe dieses Cover einfach so sehr ...
So sehr ich während der Entstehungsphase gelitten habe, so glücklich und stolz bin ich auf dieses Buch.
Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es seine Leser finden wird, die spüren, wieviel von meinem Herzen in dieser Geschichte verpackt ist.
Es ist gewidmet all den Menschen, die unter dem schrecklichen Krieg in Jugoslawien gelitten haben, die Freunde, Heimat und Familie verloren haben - und trotzdem so viel Kraft und Mut aufbringen, immer wieder neu anzufangen. Und es ist denen gewidmet, die ihnen so selbstlos und voll Liebe dabei unter die Arme greifen - wie die Mitarbeiter von Bauern helfen Bauern - ganz besonders Susi und Charlotte, ohne deren wertvolles Insiderwissen ich diese Geschichte nie hätte schreiben können.
Ich kann es kaum erwarten, meine Leute wiederzutreffen und ihnen zwischen den Buchdeckeln nahe zu sein - grenzenlos nah ...

Freitag, 21. Mai 2010

Vom Ende überrascht

ich bin grad ein bisschen irritiert.
Wenn es nach meinem Plotplan geht, hätte ich eigentlich noch ein bis zwei Kapitel an auflösenden Szenen ... dachte ich zumindest bis eben gerade.
Doch nun hab ich DEN Schlusssatz geschrieben. Er fühlt sich total richtig an. Alles passt. Und ich steh da und krieg den Mund nicht zu.

Kann es sein, dass meine Protas (wie schon ungefähr seit der Hälfte meines Romans) es wieder einmal besser wissen und ich mir das ganze geplante Restgeschwafel echt sparen kann? Ich forsche in meinem Hirn und meinen Unterlagen und je länger ich grüble, desto deutlicher scheint mir die Antwort zu lauten: He! Weniger ist mehr! Du musst nicht alles bis ins letzte Detail ausformulieren. Der Leser kann sich alles, was noch in der Schwebe und nur angedeutet ist, selbst dazudenken ...

Kann man sich auf so ein überfallsartiges Spontangefühl überhaupt verlassen?
Wenn ich mir die letzten Einträge so anschaue, bin ich geneigt, auch diese Verantwortung ruhigen Gewissens in die Hände meiner wunderbaren Figuren zu legen.
Aber sicherheitshalber werde ich noch eine Nacht drüber schlafen.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Schreiben als Therapie

So schnell kann das Leben einen Haken schlagen ... eine Weisheit, die jeder von uns in der Theorie gut kennt. Wenn sie dann aber in der Praxis zur brutalen Realität wird, bin ich doch immer wieder neu völlig unvorbereitet.
Warnsignale sind dazu da, um gehört zu werden. Stell ich mich taub (oder bin es gar tatsächlich schon), werden sie lauter und lauter - bis ich sie nicht mehr übergehen kann.
Die neue Hellhörigkeit bringt auch ganz neue Stimmen. Woher da plötzlich all diese Flügel, Hände und Trostworte selbst aus den entferntesten Ecken des Universums mich einhüllen, tragen und immer wieder neu aufrichten, ist das Wunder dieses Lebens, das ich eben erfahren darf. Ja, auch Wunder hält es bereit, dieses Leben. Nicht nur Donnerknall und schmerzhafte Prügel.
Und zwischen all dem Chaos und dem Funktionieren und dem Aufrechthalten passiert ein heilsames Ein- und Ausatmen. Und noch ein Geschenk, das mich beinahe zu Tränen rührt.
Da stehen sie, meine Protagonisten, und strecken mir ihre Hände entgegen. Ja. Sie auch! Und sanft träufeln sie mir ins Ohr, dass sie viel nachgedacht haben in der Zeit, in der das Leben mich geschüttelt und durch die Orkane des Universums getrieben hat. Und ob ich denn jetzt dieses ganz neue Ohr, das doch so plötzlich wieder so gut hören kann, auch ihnen einmal leihen wollte.
Ich wollte.
Erst war es schwer. Zu viel anderes schrie sich die Seele aus dem Leib.
Aber sie sind geduldig. Und sie kennen mich. Sie wissen, was ihnen von meinem Herz gehört. Und das hört. Gut. Meine Güte! Wie gut!
Sie haben ganze Arbeit geleistet.
Ich hab sie zurückgelassen im Wissen, dass ich allein nicht weiterkomme. Und sie haben die Fäden entwirrt und mir die Teile glatt und sauber in die Hände gedrückt. Aus meinem Chaos haben sie Ordnung gemacht. Und ich habe mich von ihnen zu einem Fleckchen Frieden führen lassen.
Dieses Glück muss man mal haben ...

Montag, 10. Mai 2010

Plot von der Leine

Ich habe es schon die letzten Tage bemerkt.
Meine Figuren machen sich vermehrt selbständig.
Ich habe alle Hände voll zu tun, sie immer wieder an den Plot zu erinnern, der doch so schlecht nicht ist, meine Lieben!
Nein, nein, eh nicht, gestrenge Plot-Hüterin - kommt dann postwendend zurück ... und schon laufen sie munter weiter.
Sie machen sich im Grunde gar nicht so schlecht. Als Plot-Grenzen-Ausreizer. Einen ihrer Änderungsvorschläge (ich bezeichne sie trotzdem so, auch wenn ich kaum Einspruchsrecht zu haben scheine - Autorenstarrsinn, würden sie sagen) habe ich ohne Widerspruch umgesetzt. Er war psychologisch mehr als überzeugend motiviert und hat am Plotgerüst auch nicht gerüttelt. Es war ein Tausch der Opfer, auf den ich gerne selbst gekommen wäre, so perfekt hat er den Entwicklungsbedarf bei meiner Klara offengelegt - und ihr entsprechend Daumenschrauben angesetzt.
Da war also von meiner Seite Dankbarkeit durchaus angebracht - und wurde auch wohlwollend zur Kenntnis genommen.
Und heute haben mir gleich zwei meiner Leute ihre Meinung gegeigt.
Ist doch so viel passender! Das ist eine logische Folge von dem ... das siehst du doch ein, oder? Nur so wird er dazu gezwungen, aus seinem liebgewonnenen, ihm Sicherheit versprechenden Lebensplan auszubrechen ... oder hast du etwa Einwände?
Nein. hatte ich nicht. Ich staune nur immer wieder. Und frage mich, wozu ich mir die Mühe mache, die Handlungen meiner Protas im vorhinein zu motivieren und vorzubereiten. Wenn sie es doch dann, wenn es so weit ist, erst wieder besser wissen.
Nicht, dass ich deswegen beleidigt wäre. Das nicht. Ich frag mich halt nur, ob sie mich überhaupt noch brauchen.
Na klar doch! Schallt es mir fröhlich entgegen. Irgendwer muss doch die Finger auf die Tasten drücken, nicht wahr?
So als Schreibmaschine degradiert zu werden, könnte eigentlich schmerzen. Tief drinnen am Ego kratzen, oder so. Aber inWirklichkeit bin ich begeistert und dankbar, dass ich mit Leuten zusammenarbeiten darf, die mitdenken.
In welchem Job hat man schon solche wertvollen Mitarbeiter?
Na also.
Immer weiter so.
Ob es dann auch mal eine Gehaltserhöhung gibt, hab leider nicht ich zu entscheiden ... Von mir hättet ihr sie auf jeden Fall jetzt schon sicher.

Freitag, 7. Mai 2010

Für eine Handvoll Seiten

Eigentlich war das Kapitel auf Seite 199 fertig. Ich habe mein Plansoll erfüllt und spät genug wär's ja auch schon. Aber da winkt dieser neckische Zweier mit den beiden Nullen im Schlepptau ... und ich kann einfach nicht widerstehen.
Irgendwie ist es doch nur ein kleiner Schritt von der Zollergasse (wo sich meine Klara mit einem ebenso eindrucksvollen wie undurchsichtigen Drogenboss getroffen hat) in die Ahornergasse - wo angeblich das verdächtige Auto steht, mit dem nicht nur eine Entführung durchgeführt worden war ... aber davon weiß die Gute noch nichts. Könnte sie zwar, wenn sie über den Dingen stehen würde, aber wer tut das schon, wenn man doch gerade nicht nur mit unbekannten Feinden zu kämpfen hat und obendrein im Gefühlschaos steckt ...
Da den Überblick zu bewahren steht nur dem Plot-Erfinder und Besitzer der ganzen Wahrheit zu.
Soll ich denn gar keinen kleinen Vorteil davon haben, wenn ich mir schon nächtelang die Finger wundtippe?
Eben.
Und so springeich also im Trab über den 200er - und nähme den Schwung schrecklich gerne mit für die kommenden Seiten - wenn nicht der Blick auf die Uhr an das quälende Erwachen am nächsten Morgen gemahnen würde.
Also gut.
Dann gönne ich Klara noch eine Auszeit - in der sie sich hoffentlich ein bisschen mit ihren ach so unbekannten Gefühlen anfreundet - und versuche zu schlafen. Was nicht so leicht sein wird, mit all diesen Dialogfetzen und GEschichtenteilen, die erbarmungslos durch meinen Kopf toben.
Aber ich hab es ja so gewollt.
Wer A(utor) sagt, muss auch S(chlafmangel) sagen ... oder hab ich da jetzt was durcheinander gebracht?

Freitag, 30. April 2010

Gesprächige Stille oder Das übl(ich)e Gesicht der Midbook-Crisis

Kein einziger Eintrag im April?
Ein ganzer Monat verschwunden in trauriger Blog-Ignoranz?
Was ist passiert?
Fleckfieber? Plötzlicher Computertod? Gedächtnisverlust? Oder gar öde Langeweile, die man besser verschweigt?
Nichts von alledem (zum Glück!)
Gesundheitlich gibts - außer chronischem Schlafmangel - nichts zu meckern.
Der PC benimmt sich anständig.
Und mit meinem Gedächtnis hatte ich schon in meiner Kindheit den Deal abgeschlossen, dass es nur erfreuliche Dinge abspeichert ... wenn ich also in meinen Laden krame, kann ich mich auch diesbezüglich über mangelnde Inhalte nicht beklagen.
Ach ja - und Langeweile würde ich manchmal gerne für ein paar Stunden buchen - dann könnte ich vielleicht wieder einmal mit einem Buch oder einer neuen DVD auf dem Sofa abhängen.

Manchmal erzählt mein Schweigen mehr, als viele dichtbeschriebene Seiten.
Z.B. dass ich unbemerkt in die Haut meiner Protagonistin geschlüpft bin - die's nicht so hat mit der Kommunikation. Die ihre Kämpfe lieber mit sich selbst austrägt und am liebsten Endergebnisse präsentiert ... und damit kann ich eben noch nicht dienen.
Um mit Klara zu sprechen: Solange ich still bin, ist das Ei noch nicht fertig bebrütet. Solange ich schweige, kämpfe ich noch. In der Zeit, in der mein Blog Staub ansetzt, wirble ich denselben irgendwo anders auf. Auf meiner Roman-Baustelle, in meinen Träumen, im wirklichen Leben ...

Die Stille kann beruhigend sein. Verlockend. Vielversprechend.
Was noch nicht ausgesprochen ist, bleibt ein Spiel der Gedanken. Kann rückkgängig gemacht, verändert, oder neu überdacht werden, ohne als wankelmütig dazustehen.

Stille kann aber auch drückend sein. Beengend. Kraft- und Mutraubend.
Um diese Stille zu durchbrechen, bedarf es eines ersten Wortes. Der Dämon verliert seine Kraft, wenn es ausgesprochen oder aufgeschrieben ist. Im Kampf gegen die Krise gebe ich mir eine unschlagbare Waffe in die Hand: Das Wort, mit dem man sich an andere um Hilfe wenden kann.
Das beginnt Klara zu lernen.
Und ich mit ihr ...

Sonntag, 28. März 2010

Alles eine Frage der Zeit

Höchste Zeit für einen neuen Zwischenbericht!
Wie für alle ungeduldigen Menschen ist die Zeit - und vor allem der Umstand, dass sie vergeht, ohne sich nach persönlichen Bedürfnissen zu richten - mein größter Feind. Eine Woche ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Ich hatte zehn Seiten geschrieben und war guter Hoffnung, dass ich nun ordentlich zulegen könnte. Aber ich hatte nicht mit der Zeit und ihrem begrenzten Potential gerechnet, was in ihren täglichen 24 Stunden unterzubringen sei.
Brotjob, private Ansprüche, kleine, mittlere und gröbere technische Gebrechen und die Notwendigkeit, darauf ohne Zeitverzögerung reagieren zu müssen, haben meinen Zeitplan gehörig ins Schleudern gebracht.
Und doch: Selbst wenn ich jeden Tag 24 Stunden nur für meine Geschichte gehabt hätte, wäre ich - so bin ich inzwischen fast schon davon überzeugt - heute um keine Zeile weiter als jetzt. Weil auch meine Protagonisten mehr Zeit von mir eingefordert haben, als ich ihnen ursprünglich zugestehen wollte.
Ihre Beziehungen untereinander sind komplexer, als ich dachte (und das ist sehr gut so! ich freu mich riesig über diese Entwicklung! Das will ich sicherheitshalber schnell anmerken, damit sie nicht sauer auf mich werden und ihre Kooperationsbereitschaft darunter leidet ...). Es gibt Zusammenhänge, die sich mein Ich-Erzähler erst aus der Nase ziehen hat lassen - nach langen nächtlichen Gesprächen, in denen er erst zögerlich und dann fast erleichtert aus sich herausgegangen ist. Ich fürchte, er weiß noch nicht, dass ich bisher geplant habe, ihn am Schluss über den Jordan zu schicken. Aber ich bin mir ohnehin noch nicht sicher, ob es wirklich notwendig sein wird. Also, lieber Lukas, noch besteht kein Grund zur Panik, sondern Hoffnung auf ein gnädiges Ende (ich hoffe, er merkt nicht, dass ich ihn und mich hinhalte ... wieder eine Frage der Zeit ...)

Da war also diese vergangene Woche. Von der ich dachte, ich würde noch und noch wunderbare Seiten voll wunderbarem Text produzieren. Und jetzt, am Ende dieser Woche, war ich gerade einmal auf Seite 20 angelangt. Trotzdem hatte ich viele, viele Seiten Text niedergeschrieben. In meinem Schreibtagebuch. Das ist jetzt also nach dieser vergangenen Woche voll mit Gedanken, Gesprächen, Geständnissen, Gefühlsbezeugungen - und ich fühle mehr und mehr, wie meine Figuren auch miteinander in Interaktion treten - außerhalb der Storyline, die es dann einzufangen gilt. Dieses Davongleiten, das Zügel-schießen-Lassen, ist nicht immer leicht für mich. vor allem, wenn ich unter Zeitdruck stehe. Denn ich habe Angst, die Kontrolle zu verlieren (und ehrlicherweise verliere ich sie ja auch in dieser Zeit!). Ich habe Angst, den Faden meiner Geschichte nicht mehr wiederzufinden und mich in den vielen Möglichkeiten, die sich mir bei so viel neuer Information auftun, zu verirren. Es hat mich beunruhigt, dass ich geschrieben und geschrieben habe, bis mir die Hand weh getan hat, ohne zu wissen, wofür ich all diese Dinge überhaupt brauche.
Heute kam dann der Punkt, an dem mir plötzlich klar war, dass ich wieder Herr der Geschichte sein darf. Nicht, dass ich sie zum Schweigen bringen und über ihre Bedürfnisse hinweggehen möchte. Aber ich hab gespürt, dass ich jetzt einmal eine Zäsur setzen muss. Die quasseln einen ja nieder, wenn man nicht aufpasst! Da könnte ich noch wochenlang hinterherschreiben, bis die Finger glühen! (Und ich werde es auch noch, versprochen!)
Jetzt war es an der Zeit, die vertieften Zusammenhänge in die Geschichte einzubauen. Ich habe gespürt, wenn ich nicht jetzt sofort wieder an meinen Plot anknüpfe, entgleitet er mir. Und in dem Augenblick, in dem ich das beschlossen hatte, konnte ich beruhigt die Datei öffnen und ein neues Kapitel schreiben. Alles Wissen um meine beiden Hauptakteure war mir zu Diensten und ich konnte in Ruhe aus dem Vollen schöpfen. Die Angst um den Plot war verschwunden. Und ich weiß, dass es mir zu keinem Moment früher möglich gewesen wäre.
Ist ja doch alles eine Frage des richtigen Zeitpunkts ...