Sonntag, 8. August 2010

In Love with the Beast

Ich frage mich gerade, ob ich es bedenklich finden sollte, dass ich dabei bin, mich ein kleines bisschen in meinen Antagonisten zu verknallen. Letzte Nacht hab ich von ihm geträumt ... und heute hat er sein Leben vor mir ausgebreitet. Als wollte er, dass ich ihn kennenlerne. So wirklich. Wie jemand, der sich wünscht, von dem Menschen, der ihm wichtig ist, verstanden zu werden.
Du bist meine Erfindung! - rufe ich mich zur Ordnung - und ertappe mich dabei, mir seinen very sexy Körper vorzustellen.
Er achtet auf sich. Hält seinen Body in Schuss. Muss er auch. Schließlich ist er sein Überlebenskapital. Und ist dabei so herrlich geheimnisvoll. Wie ich Männer eben mag. Klug. Wortkarg. Gut gebaut. Konsequent. Und gleichzeitig inwendig so verletzlich wie ein Vögelchen im Nest. Er hats nicht leicht gehabt. Und er hat es sich auch nicht leicht gemacht. Ein Mann, der zu seinen Taten steht. Und sich dafür härter verurteilt als jedes Gericht der Welt.
Eine tragische Figur?
Vielleicht. Aber auch stark. Und brutal.
Wie hat Nikola im letzten Kommentar so schön geschrieben: Der Bösewicht ist zu jedem Verrat bereit. Weil ihm das Leben jede Moral abgekauft hat.
Das soll seine Taten nicht entschuldigen. Aber er bietet damit dem Leben seine ungeschützte Kehle. Wie ein Betteln um die gerechte Strafe.
Ehrlich: Wer kann so einem BeastyBoy widerstehen?
Ich offenbar nicht.
Ich seh schon. Da kommen noch ein paar schwere Z/Seiten auf mich zu :-))

Freitag, 6. August 2010

In der Haut des Antagonisten

Ich wundere mich immer wieder.
Der erste, an den ich mich bei einem neuen Projekt anpirsche, ist jedes Mal wieder der Bösewicht. Ich mag diese vielschichtigen, undurchsichtigen, spannenden Charaktere, die so viele Gründe auf Lager haben, warum sie so sind wie sie sind. Wie sie vom Leben gebogen und gebrochen wurden. Oder dass sie sich auch manchmal einfach nur nicht an die Spielregeln halten wollen. Das ist verdammt spannend. Und ich muss zugeben, dass ihnen oft der größte Anteil meiner Sympathie gehört.
Sie kämpfen am härtesten. Und ihre Chancen stehen einfach nicht so gut, wie bei den anderen, den Guten, den Helden der Geschichte. Das Leben ist nicht fair. Aber sie geben deswegen noch lange nicht auf! Am Eindringlichsten finde ich, wie sie sich auflehnen. Nicht akzeptieren, dass sie dazu geschaffen sind, das Gegengewicht darzustellen. Ja. Sie schnappen nach dem Herrl. Sie zeigen mir die Zähne. Oder die kalte Schulter. Oder ein überhebliches Grinsen. Aber niemals ist ihnen egal, was ich ihnen auf den Buckel lade.
Und ich kann nicht anders, als sie dafür wenn schon nicht zu lieben, so doch zutiefst zu bewundern.
Heute habe ich den ganzen Tag mit meinem Antagonisten verbracht. Ich habe ihn reden lassen. Habe die Kälte seiner Existenz in den Knochen gespürt. Und die Sehnsucht nach Liebe - versteckt unter einem Haufen von Regeln und Vorschriften und Gegebenheiten. Und ich hab ihn in den Traum von dieser Liebe hineinschnuppern sehen - und das Erschrecken vor den tiefen Gefühlen miterlebt, mit denen er weder umgehen kann, noch sie sich überhaupt zugesteht.
Noch glaubt er sich in seinem gewohnten Lebenstrott. Aber ich weiß es schon jetzt: Die Liebe wird ihn einholen. und er wird mit einem Glücksgefühl und aus freien Stücken daran scheitern ...
Oder auch siegen. Wie man's sehen will.
Genau das sind die starken Momente.
Ihnen in diesen Momenten nahe zu sein - dafür lohnt es sich, ihnen eine Weile genau zuzuhören.

Donnerstag, 5. August 2010

Instanzenfrage

Ich will.
Die letzten Blog-Einträge beweisen es anschaulich: Ein gewisses K(r)ampfverhalten prägt meinen Alltag und mein Denken. Solange es noch ohne das (r) ausgekommen ist, war es ein wichtiger Motor. Antrieb, Steuerung, Orientierung bei schwerem Seegang. Die Schlaflosigkeit hatte schließlich einen wichtigen und guten Grund.
Die letzten Tage aber hat sich das (r) immer mehr in den Vordergrund gedrängt. Und damit Sand ins Getriebe gestreut. Das Urteilsvermögen getrübt. Den Geruch von Unfähigkeit und Hilflosigkeit verbreitet. Und die Kraft, die aus der Bereitschaft erwachsen war, dem Schicksal eine breite Stirn zu bieten, gegen mich selbst gerichtet.
Als ich eben bei Christas Schreibteufelchen reingelesen habe, hat es in meinen Ohren geklingelt, wie eine ganze Rasselbande auf einer Glöckerlpartie.
Es ist verständlich, dass ich gerade bei meinem ersten Projekt "mit Agentur" am liebsten den ganz großen Wurf abliefern wollen würde. Und dass ich dabei auf den Markt schiele, bis mir die Augen im Kopf weh tun.
Aber es schießt sowas von am Ziel vorbei, wenn ich dabei meine eigene Stimme nicht mehr zu Wort kommen lasse - weil ich sie nicht für kompetent genug erachte, über Marktbedürfnisse und die ganz großen Erfolgsgeheimnisse Bescheid zu wissen.
Und wenn schon! Das ist ja auch nicht ihr Job!
Meine innere Stimme ist dazu da, mir zu erzählen, was mir auf der Seele (und unter den Fingern) brennt. Sie ist meine einzige Instanz, auf dich ich mich wirklich verlassen kann. Und genau das will ich wieder tun.
Jetzt.
Heute.
Mit meinem neuen Projekt.
Auf der nächsten neuen Seite in meinem Buch.
Denn etwas anderes - und besseres! - kann ich nicht tun.
Ich muss das schreiben, was in meinem Hirn entsteht.
Dem Film folgen, den mein Kopfkino abspult.
Ob das dann Top oder Flop wird - wer weiß das schon?
Kein Blick in die Kristallkugel, keine Prognosen, keine Zukunftsvisionen können so stark sein wie das Gefühl, eine Geschichte so zu schreiben, wie sie mir von meiner Vorstellungskraft diktiert wird.
Es wird immer nur so gut, wie sehr ich es schaffe, mir selbst beim Schreiben treu zu sein. Darauf kommt es doch an.
Und genau das will ich.
Wieder. Ab sofort.
Ich will.

Mittwoch, 4. August 2010

Ein-Schnitt

Heute Früh kommt mir ein Gedanke.
Beim Rundum-Blick über meinen Garten, in dem fleißige Menschen dem wuchernden Wildwuchs an den Kragen gehen. Überall liegen abgeschnittene Zweige. Frisch duftender Rindenmulch ist um die samstäglich gepflanzen Neuzugänge angehäuft. Wege und Terrasse von Nadeln und welkem Laub gesäubert.
Der Gedanke kommt wie ein Blitzschlag.
Wonach sehne ich mich? Was will ich mit und in meinem Leben erreichen? Komme ich jemals zur Ruhe? Ist Zufriedenheit der Anfang von Stillstand? Meine täglich neuen Kämpfe - führe ich sie für einen gepflegten Garten? Für den neuen Zimmerbrunnen im Vorraum? Für eine größere Küche? Ein ausgebautes Dachgeschoß?
Ist es das?

Der Gedanke wirkt nach. Während ich ins Auto steige und ins Büro fahre. Bei der Arbeit. In den Stunden, in denen ich darüber nachdenke, wie ich als nunmeriger Alleinerhalter die Lage im Griff behalte. Womit ich so viel Geld verdienen könnte, dass ich meine Wünsche und Träume erfüllen kann - oder auch einfach genug fürs tägliche Leben habe. Und für die Kreditraten. Und die monatlichen Zahlungen. Und die Kinder. Und mich.

Ich habe ein Leben. Geschenkt. Ohne Forderungen. Voll Potential, Möglichkeiten, Talenten, Freuden.
Der Wunsch nach einem radikalen Schnitt ist ganz kurz übermächtig.
Leben 2.0 - oder doch lieber dieses eine - meine - mit vollem Bewusstein und gebündelter Kraft?
Yes, we can ...

Montag, 2. August 2010

Versprochen - gehalten

Manchmal ist Schreiben wie Hundeerziehung: Für jeden Etappensieg gibts eine Belohnung. Die kleinen ernten ein aufmunterndes Kopftätscheln und an den Meilensteinen steht ein Hundekuchen.
Bis um acht Uhr war ich dann schon ganz schön satt.
Und aufgeputscht und erschöpft gleichzeitig.
Ich hab mein gestecktes Ziel erreicht. Vor mir liegt eine Liste mit den Personen und ein grobes Überblicks-Exposé. Wenn ich zu Mittag noch daran gezweifelt hätte, so habe ich es mir nicht anmerken und erst recht nicht durchgehen lassen. Kleine Ausflüge in den Garten zum Blumengießen und Unkrautzupfen waren gestattet aber streng limitiert.
Immer wieder musste ich an den wirklich herzerwärmenden Vortrag von Titus Müller denken, den er voriges Jahr in Oberursel gehalten hat. Da ging es auch um manch qualvolle Schreiberfahrung und die Tricks, mit denen er sich an den Schreibtisch überredete. Wir haben damals oft gelacht und mit den Köpfen genickt.
Stimmt. Schreiben ist nicht immer der Flow. Öfter eher eine Show - für den internen Zuschauer. Und manchmal ein echtes Martyrium.
Aber der Hundekuchen am Ende des Tages macht dann doch alles wieder gut :-)

Sonntag, 1. August 2010

Nichts geht

Schon wieder eine Nacht nichts geschlafen. Dabei hatte ich doch für heute so viel vor! Einen ganzen Tag Zeit, um an meinem Plot zu schmieden. Mit den Figuren auf Tuchfühlung gehen. In meinem Schreib-Tagebuch Beziehungsgespräche führen. Endlich Schreibzeit ohne Ablaufdatum!
Aber mein Kopf ist eine taube Nuss.
Meine Augen brennen.
Das neue Dokument mit dem klingenden Namen "Personen - Vitae" ist sowas von gähnend leer, dass das Weiß der Seite blendet.

Da! Jö! Willkommene Ablenkung! Die Waschmaschine piept. Wenigstens eine, die heute was weiterbringt. Ich darf aufspringen und meine inzwischen schon verkrampften Finger beschäftigen.
Aber wenn die Trommel ausgeräumt und das letzte Hemd im Trockner verschwunden ist, werde ich mich wieder vor die leere Seite setzen. Und sie anstarren, bis zum hundertsten enttäuschten Seufzer.
Ich hab eine Idee. Ich mache eine Stricherlliste. Für jeden Seufzer eine senkrechte Linie. Damit meine Füllfeder nicht austrocknet. Und dann hab ich wieder was zu tun. Stricherln zählen. Bis Hundert.

Und draußen scheint die Sonne.
Höhnisch.
Manchmal hasse ich meinen Hang zur Selbstverarschung.
Aber ich werde heute noch was schreiben.
Das schwöre ich hiermit feierlich.

Freitag, 30. Juli 2010

Hummeln im Hintern - oder wo?

Ich setze mich gerne selbst unter Druck.
Weil ich offenbar erst so richtig ernst mache, wenn ich einen (am besten kaum verwirklichbaren) Termin im Nacken habe.
So will ich bis zum Wochenende endlich ein brauchbares Konzept meiner neuen Romanidee zusammengeschrieben haben, um sie meiner Agentur zu präsentieren. Seit zwei Wochen trödel ich damit herum. Experimentiere immer wieder mal mit allen möglichen Entwicklungen der Story, korrigiere Einzelheiten, die jetzt wirklich noch nicht relevant sind und überlege, ob die Grundidee genug Stoff für einen Dreiteiler zu bieten hat - oder vielleicht doch besser als abgeschlossener Roman seine intensivste Wirkung entfaltet. Was ich in dem Stadium, in dem sich die Geschichte befindet, schon gar nicht festlegen kann.
Jetzt reicht's!
Ich habe heute meiner Agentin für spätestens Montag ein Grob-Konzept versprochen.
Also - eigentlich mir.
Und ich hab mich für die Exposé-Arbeitsgruppe angemeldet. Mit höchster Dringlichkeitsstufe. Weil ich sonst wieder viel zu viel Zeit hätte, um meine Figuren zu entwickeln und den Plotfaden zu spinnen.
Ich würde sie ja erst wieder nicht nützen und genau zwei Tage vor Start mit dem Denken anfangen. Wobei: das ist jetzt doch nicht ganz fair. Denken tu ich schon seit einem Monat. So intensiv, dass der Lärm in meinem Kopf an einen Hummelschwarm in Aufbruchsstimmung erinnert. Vielleicht will ich ja deswegen so schnell wie möglich Feuer unterm Hintern haben. Bis sich der Rauch verzieht, könnte ich wieder einmal in Ruhe schlafen. Und die Hummeln - von ihrem sicheren Nest vertrieben - schreiben mir in der Zwischenzeit den Plot.
Oh süßer Traum, der sich ebensowenig erfüllen lässt wie die selbst gewählten Deadlines!
So ganz ohne lustvolles Hadern mit den vielen Möglichkeiten, die mir jedes Mal in diesem Stadium der Entstehung als süße Versprechen um den Bart streichen, wäre ich doch auch unzufrieden. Gibt es denn was Spannenderes, als an Kreuzungen über alle möglichen Richtungen zu visionieren?
Ja: Die Entscheidung für einen Weg. Und das Starten.
Und damit das nicht ewig dauert, brauch ich einen Startschuss. Am besten mit Schmauchspuren am ... ja, genau da :-)

Donnerstag, 29. Juli 2010

Highlights des Tages!

Das Leben ist nicht nur gnadenlos. Es hält gleichzeitig so viel Schönes bereit. Völlig wertfrei. Nimms mit oder lass es liegen - dem Leben ist es egal. Der Seele nicht. Heute hab ich den Blick frei gemacht und geschaut. Und siehe ...
Hier eine (willkürlich aus dem Gedächtnis gerissene, unvollständige!) Liste der Highlights des 29. Juli (bis ca. 13:30 Uhr)

- endlich wieder einmal durchgeschlafen - ohne nennenswerte Albträume oder Schnarchattacken des Zimmergenossen

- zwei liebevoll schnurrende Katzen zur Begrüßung (zunächst aufgrund von normaler morgendlicher Post-Schlafblindheit nur akkustisch und sensorisch als weiche Streicheleiheiten um die Beine wahrgenommen)

- niemand will was von mir oder quatscht mich an (Was bin ich dankbar für die Stille des Morgens!)

- erstaunt-erfreuter Blick auf die sauber geputzten Löffelsteine im Garten, die ich das letzte Mal vor fünf Jahren in diesem unkrautfreien Zustand gesehen hab

- Vorfreude auf den zu erwartenden Großeinkauf beim Blumenmarkt am Wochenende, um die entstandenen Leerstellen in den Beeten wieder aufzufüllen

- überraschende Gelassenheit im Morgenstau auf der Stadteinfahrt (sehr sehr selten!!! Nicht der Stau, sondern die Gelassenheit ...)

- wärmende Sonnenstrahlen im Gesicht auf dem 10-Minuten-Fußweg ins Büro

- ab Minute 8 (ca.) ein genialer Einfall zur Lösung des Hängers am neuen Plot, gefolgt von massiver Schrittbeschleunigung und damit gesundheitsfördernder Steigerung des (normalerweise zu niedrigen) Blutdrucks

- eine Kanne Früchtetee und Müsli zum Frühstück (außergewöhnlich gut, obwohl eigentlich wie immer)

- eine Mail im Postfach mit dem bisherigen Höhepunkt des Tages: der Coverentwurf für meinen neuen Thriller (einfach nur ... MEGA!)

- anhaltendes WOW-Gefühl, begleitet von dümmlichem Grinsen und Herumzeigen des Ausdrucks im Büro

- Vorfreude auf das Wiedersehen am Abend mit einer alten Freundin, die ich das letzte Mal vor (mindestens) 20 Jahren gesehen und über Facebook wiedergefunden habe

Gelegentlich denke ich, dass ich mich jeden Tag derart beschenken lassen könnte - wenn ich denn nur die Sensoren freigeräumt hätte. So schön zugänglich wie die Beeteinfassungen in meinem Garten. Aber manchmal wächst das Unkraut halt so viel schneller als die Fähigkeit, es aus dem Weg zu räumen. Und manchmal denke ich mir, dass ich auch den Wildwuchs brauche - weil Wege zum Gipfel nicht immer ohne Hindernisse sind. Weil ich manchmal auch müde und faul bin. Und weil das Gefühl der Freude und des Staunens keinen Dauerauftrag erträgt, sondern Geschenke des Moments sind.
Die gesehen und angenommen werden wollen. Und deren Wirkung (auch) vom Kontrast lebt.
Das klappt halt nicht immer.
Aber umso schöner, wenn.

Sonntag, 25. Juli 2010

Ich will schreiben!

Mit Sicherheit hatte ich auch schon mal schlechtere Zeiten. Und ich sollte froh sein, dass es Hoffnung auf völlige Wiederherstellung gibt. Geduld und Zuversicht. Freude am Fortschritt. Dankbarkeit und Lust am Leben. Das wäre doch gerade am ehesten angebracht. Sagt man mir.
Und was tu ich, ich undankbares, ungeduligen und sonst noch allerlei un-Wesen?
Ich jammere. Ich stampfe mit dem Fuss auf. Und ich blockier mich selbst.

Aber ab sofort wird das anders!
Ich packe meinen Schopf und ziehe - ziehe - ziehe ...
und siehe - siehe - siehe!
Die Seiten in meinem neuen Schreibbuch füllen sich mit Buchstaben. Worte reihen sich aneinander. Zeile um Zeile schälen sich Gedankenbilder aus dem zähen Frustnebel. Antworten reihen sich an Fragen.
Dankbarkeit und Lust.
Jetzt weiß ich, was damit gemeint ist.
Ich kann wieder schreiben.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Geschafft!

"With a little help from my friends ..."

Anfangs dachte ich, dass an dem Manuskript ja eigentlich gar nicht so viel zu korrigieren wäre. Hier eine Formulierung - dort ein nicht ganz konsequent zu Ende gedachtes Psychogramm. Ein paar tiefere Einblicke in die Beweggründe und Reaktionen meiner handelnden Personen ... und dann noch diese eine wichtige alles entscheidende flammende Rede ... und gut isses.

Aber die Tage vergingen und gut waren einzig und allein die Lachattacken, die sich aus diversen deutsch-österreichischen Sprach-Missverständnissen ergeben haben (eines davon reizt mich immer noch zu gröhlendem Herausprusten! *tränenlach* Schade, dass es nur für eingefleischte Ösis verständlich ist ...)

Der Rest war alles andere als gut - und am schlechtesten waren die Ausreden, die ich mir täglich neu aus dem Finger gesaugt habe. Zäh wie im Keller vergessenes Schmieröl zogen sich die Seiten hin. Und die Befürchtung, dass Ende Juni schneller da sein würde als meine verschollene Energie, wurde tagtäglich mehr zu einer schrecklichen Gewissheit.

Und dann kam das:
Am Tiefpunkt meiner Selbstzerfleischung läutete es an der Tür und eine nette Dame von Fleurop stand mit einem Blumenstrauß vor mir. Lächelte und drückte mir das duftende Paket - gemeinsam mit einem Kuvert - in die Hand.
Von wem das sei? Ratloses Schulterzucken und der Hinweis auf die Karte. Freunde?

Oja! Freunde! Und was für welche!
So viel Zuspruch, Kraft und Energieladung, dazu noch Inspiration und Ruhe - und eine Riesenportion an Zuneigung und Verständnis ... die Überraschung war perfekt! Und es hat geholfen!
Umgeben von Blütenduft und motivierenden Wünschen löste sich der Knoten in meinem Kopf. Wie nach langer Krankheit, wenn man zum ersten Mal wieder aufstehen darf, tasteten sich die Gedanken voran, schälte sich das Gefühl für den roten Faden aus dem Nebel und vorsichtig, ein bisschen unsicher und immer wieder vergewissernd über die Schulter linsend, fing die Geschichte wieder zu laufen an.

Der größte Brocken - diese drohende, wie ein Damokles-Schwert über mir schwebende Rede - rückte in Reichweite. Und auch hier haben mir meine Freunde die Räuberleiter gemacht. Sieben Stunden habe ich mit jedem Satz gefochten. Und von den guten Tipps gezehrt, die ich bekommen habe. Gestern um 3 Uhr MEZ war ich dann durch. Alle Baustellen waren geschlossen. Alle Anliegen begutachtet. Alle offenen Fragen beantwortet. Und der nächste-Tag-Kontrollblick ist zufrieden ausgefallen.

Ich habs geschafft.
Ich bin geschafft.
Und unendlich dankbar und glücklich.

Jetzt gönne ich mir einmal eine kurze Phase der Erholung.
Aber dann starte ich wieder durch!
Mit frischer Energie und unter neuen Vorzeichen: Denn ab dem nächsten Projekt segle ich mit einem neuen Partner durch die Literaturlandschaft. Die Literaturagentur Schmidt & Abrahams hat mich unter ihre Fittiche genommen. Ein großer Schritt, den ich mir sehr lange und gründlich überlegt habe. Und mit dem ich sehr zufrieden bin.

Ganz nach dem Motto: "With a little help from my friends" ...