Freitag, 19. Februar 2010

Eine Kiste voll Freude

Total pünktlich zum Erscheinungstag sind auch bei mir die Belegexemplare meines zweiten Labyrinthe-Krimis eingelangt.
Die Aufregung hat zwar schon ein bisschen was Routiniertes - was mir irgendwie leid tut, weil sich gerade dieses schmerzlos geschlüpfte Küken eigentlich einen besonderen Tusch verdient hätte - aber dafür sickert das Glücksgefühl mit ruhiger Gelassenheit in alle Ritzen meines Bewusstseins.
Verglichen mit meinem Erstling empfinde ich "Störfaktor" als eine Leistungs-Steigerung. Ich kann mich erinnern, dass ich zunächst einen gewaltigen Fehlstart hingelegt hab - aber wenn mich mein Hang zur Verklärung nicht fehlleitet, ging mir die Story, nachdem ich mich endlich hab finden lassen, ziemlich glatt von der Hand.
Gerade wird bei Montsegur darüber nachgedacht, ob es denn für einen Autor unablässig wäre, sich selbst immer übertrumpfen zu müssen, um mit seiner Leistung zufrieden sein zu können.
Ich habe darüber noch nicht wirklich intensiv nachgedacht, denn was weiß ich denn schon, was daraus wird, wenn ich mich gerade mit einem neuen Stoff zusammenraufe? Ob mich das wilde Pferd abwirft, oder sich zähmen lässt, stellt sich ja immer erst am Ende heraus - und die Beurteilung, ob es sich dann als Rennpferd oder gemütlicher Klappergaul entpuppt, wird letztlich von anderen getroffen.
Ich gehe an jede neue Geschichte mit dem gleichen Enthusiasmus und dem Willen ans Werk, mit ihr eins zu werden, mich von ihr einnehmen und hinreißen zu lassen. Wenn ich es mir recht überlege, bin vielleicht sogar ich am Ende das gezähmte Wesen!
Aber in einer Liebesbeziehung kann man ja sowieso meistens nicht so genau feststellen, wer nun die Zügel führt. Schön soll es sich anfühlen ... und das tut es. Ganz besonders an diesen Kisten-Tagen ...

Mittwoch, 17. Februar 2010

Exposé-Geschummel

Wie sich ein Glas Wein bei mir auf einen Exposé-Bastel-Versuch auswirkt?
Ausufernd!
Eine knackige, höchstens ein- bis zweiseitige Zusammenfassung meines neuesten Thrillers hatte ich im Sinn gehabt. Doch schon nach der ersten halben Seite war mir klar, dass mir dazu noch der entscheidende Überblick fehlt. Um eine Story auf das Wesentliche einzudampfen, muss ich erst einmal Wesentliches und vor allem ganz viel Drumherum um jenes auszufilternde Wesentliche zur Verfügung haben. Doch dass dem noch ganz und gar nicht so ist, haben mir meine Figuren recht schnell klar gemacht - genau genommen die zwei, die ich von Anfang an hatte. Die anderen gesellten sich erst munter dazu, als ich die Zügel schießen hab lassen und das hehre Ziel aufgegeben habe, mich kurz fassen zu wollen.

Was das Glas Wein damit zu tun hat, das mir mein Liebster um eine Minute nach Mitternacht vor die Tastatur gestellt hat?
Naja - einerseits wars eine entzückende Aufmerksamkeit und andererseits hat es mich von den letzten hemmenden Erwartungen befreit, mich selbst schon wieder links und rechts gleichzeitig überholen zu können.
Ich werde jetzt zwar sicher nicht zum regelmäßigen Weintrinker mutieren. Aber genau heute wars ein willkommenes Entkrampfungsmittel.
Und mein Exposé schreib ich dann wieder nüchtern ...

Sonntag, 7. Februar 2010

Plotten - Phase eins

Wenn ein neuer Roman entsteht, gibt es zu allererst den Urknall - die explosionsartige Geburt einer Idee, die bevorzugterweise dann über einen hereinbricht, wenn man am wenigsten damit rechnet. Unter der Dusche, beim Einkaufen, beim Joggen, beim Friseur ...
Diesesmal hats mich in einem Zustand der Totalerschöpfung erwischt, als ich - absichtslos durch das Netz surfend - auf eine Eingangsbestätigung wartete, die das letzte Hindernis zwischen mir und dem heiß ersehnten Bett darstellte.
Eine Kurzmeldung brannte sich durch den Dämmerzustand meines Bewusstseins. Da war sie - die Schneeflocke, die eine Lawine in Gang setzte.
So angestrengt ich nach dem Zündfunken gesucht habe, so nebenbei ist er mir zugeflogen.

Ich liebe diese Phase, in der noch alles möglich ist. Noch ist keine Richtung festgelegt und jeder Einfall kann ein entscheidender Wegweiser sein. Ich verliebe mich, verwerfe, nehme den Faden neu wieder auf, drehe an der Richtung, schreibe, schreibe, schreibe in mein wunderschönes, neues, jungfräuliches Notizbuch ... alles, was mir durch den Kopf geht. Laufe durch das Haus - meine Motorik setzt auch den Motor im Hirn unter Strom. Quatsche meine Mitbewohner an und erkenne daran, wie sie ebenfalls Feuer fangen, dass der Funke Zunderqualität hat.

Der Mund wird mir trocken vor Aufregung.
Und die Seiten füllen sich. Noch völlig unstrukturiert, ungezügelt und frei.
Und dann schälen sich die ersten Geschichtenstränge heraus.
Ich muss mich kurz zwingen, mich einem von ihnen zuzuwenden, um ihn weiterzuspinnen.
Die anderen scharren inzwischen an der Hirnrinde. Ich habe jetzt keine Angst mehr, dass sie sich verdrängen lassen. Ich kann jetzt beginnen, den ersten Faden aufzurollen. Er webt den Unterbau. Die Hintergrundgeschichte. Das Geschehen vor dem eigentlichen Geschehen. Das, was es dann im tatsächlichen Roman wahrscheinlich nicht einmal zu einer eigenen Szene bringen wird. Das aber das Fundament darstellt, auf dem die Protagonisten ihr Spiel beginnen.
Was sie erleben, hat ihren Ursprung in der Vorgeschichte, die ich jetzt gerade zusammentrage.
Sie ist der Keller - von außen nicht zu sehen, voller Geheimnisse, Ursachen und Begründungen.
Erst wenn ich weiß, wer meine Personen wie am Schnürchen führt, kann ich beginnen, sie aufzuwecken.

Stufe eins ist gezündet.
Der Countdown läuft.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Leseempfehlung

Heute mach ich mal Werbung für den neuesten Thriller meiner hochgeschätzten Kollegin Ursula Poznanski. Erebos nennt sich das Werk - und es hat mich inhaliert. Vorgestern am Abend habe ich es mir auf dem Sofa bequem gemacht und nur die Notwendigkeit, meinem Job wenigstens mit körperlicher Anwesenheit Genüge zu tun, hat mich davon abgehalten, es in einem Rutsch fertig zu lesen. Ich konnte es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen, um endlich das Geheimnis zu lüften, warum die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit, Vorstellung und Tatsachen immer mehr verschwimmen. Woher der geheimnisvolle Bote all die Dinge weiß, die eine computergesteuerte Spielfigur nicht wissen kann. Und zu welchen Handlungen Nick noch bereit ist, nur um im Spiel zu bleiben.
Und die Auflösung hat mich umgehauen. So perfekt logisch! So wunderbar insziniert! Aus so unendlich vielen kleinen Fährten zusammengesetzt, die atemberaubend gelegt und makellos recherchiert worden sind. Da sitzt jedes Detail und die Puzzlesteine purzeln wie geschmiert an die vorgesehenen Stellen - und ergeben ein Gesamtwerk, das nicht den kleinsten Makel aufweist.
Ich bin beeindruckt. Begeistert. Überwältigt. Aber nicht überrascht. Denn nicht umsonst ist Ursula schon einmal für ihr Schreiben ausgezeichnet worden - und ich bin sicher, es war nicht das letzte Mal.